Das Kantor-Zentrum der Universität Tel Aviv hat seinen Jahresbericht zum weltweiten Antisemitismus vorgestellt. Die Studie dokumentiert einen deutlichen Anstieg gewalttätiger Übergriffe gegen Juden im globalen Maßstab und hält fest, dass Antisemitismus längst zum Mainstream geworden ist. 

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 1.646 Straftaten mit antisemitischem Hintergrund erfasst, darunter 62 Gewalthandlungen mit 43 Verletzten – ein Anstieg um rund 70 Prozent gegenüber dem Jahr 2017. Diese Zahlen, so der Bericht, seien jedoch nur „die Spitze des Eisbergs“, denn viele antisemitischen Vorfälle würden von den Opfern gar nicht erst zur Anzeige gebracht – aus Scham, aus Misstrauen gegenüber den Behörden oder weil sie inzwischen als so normal angesehen würden, dass die Betroffenen gar nicht mehr darauf reagierten. Offiziell hätten die weitaus meisten antisemitischen Straftaten einen rechtsextremen Hintergrund, was allerdings nicht zuletzt daran liege, dass die Behörden auch bei Vorfällen, die sich nicht eindeutig zuordnen ließen, diesen Hintergrund annähmen. Mitglieder jüdischer Gemeinden berichteten demgegenüber, in ihrem Alltag häufiger mit Antisemitismus muslimischer Provenienz konfrontiert zu sein als mit neonazistischem Hass gegen Juden. Deutlich auf dem Vormarsch sei in Deutschland zudem der israelbezogene Antisemitismus als vermeintlich politisch korrekte Ausdrucksform antijüdischer Feindseligkeit.