Ich glaube nicht, dass einem meiner Leser dieser Name bekannt ist. Kein Wunder. Die Geschichte könnte sich zur Zeit der Zwangskollektivierung ( 1929-1933) in der Sowjetunion zugetragen haben oder gar von der damaligen noch jungen sowjetischen Propaganda-Presse in die Welt gesetzt worden sein. Wie es auch gewesen, der Name wurde zum Begriff und Titel.

Pawlik Morosow oder Pawel Trofimowitsch Morosow (1918-1932) war der Heldenpionier Nr. 001 des sowjetischen Sozialismus. Er hatte in den Zeiten der Zwangskollektivierung seinen Vater, der ein Kulak war, wegen Versteckens von Getreide angezeigt. Der Vater wurde daraufhin inhaftiert. Die „reaktionären“ Verwandten des Vaters haben dann Pawel und seinen Bruder Fjodor erschlagen.

Pawel wurde zum Helden erklärt. Die Schüler sollten mit diesem Unterrichtsstoff dazu gebracht werden, dass die Denunziation im staatlichen Interesse liegt und grundsätzlich eine gute Tat ist, auch wenn sie sich gegen den eigenen Vater wendet. So wurde damals in den 30er Jahren in der UdSSR der Fall Morosow den Schülern präsentiert, wie mir ein damaliger Zeitgenosse berichtete.

Sicherlich wird es solche oder ähnliche Denunziationen wie die von Pawlik Morosow von jungen Leuten auch im Nationalsozialismus und in der DDR gegeben haben. Jedenfalls hatte der Staat nichts dagegen einzuwenden, förderte sie sicherlich.

Die Pawlik- Geschichte ist mir in den Sinn gekommen, als ich die von der Amadeu Antonio Stiftung herausgegebene Handreichung für die Kinderbetreuung in Zeiten rechtspopulistischer Mobilisierungen mit dem schönen Titel „Ene, mene, muh-und raus bist du!“ in die Hand bekam.

Man kann keine neue Gesellschaft aufbauen, ohne dass die junge Generation dafür gewonnen und begeistert, ja INDOKTRINIERT  worden wäre. Wir erinnern uns an die von dem damaligen Generalsekretär der SPD Olaf Scholz gemachte programmatische Äußerung aus dem Jahr 2002: „Wir wollen die Lufthoheit über den Kinderbetten erobern!“

Mit den älteren und alten Menschen ist es nicht leicht, grundlegende Veränderungen durchzuführen, da sie an das alte Leben weitgehend gewöhnt sind und keinen Grund sehen, ihre oft in einem langen Leben gewonnenen und bewährten Haltungen, Regeln und Einsichten aufs Spiel zu setzen. Da die Kinder und Jugendlichen in der Regel aber von den Eltern erzogen und auf das Leben vorbereitet werden, kommt es bei der Umsetzung des Neuen oft zu Komplikationen. Die junge Generation will sich nicht so einfach und bruchlos von dem Elternhaus lösen. Es bedarf massiver unterstützender Maßnahmen.

Es hat schon immer Instanzen gegeben, die sich darum kümmerten, die junge Generation zu prägen und auf ihre Schienen zu setzen. Wir denken dabei an den Kindergarten, die Schule, die Kirchen, die Ausbildung und das Studium. Diese Beeinflussung ist in der Regel nicht weiter problematisch, sogar für die Funktionsfähigkeit der bestehenden Gesellschaft notwendig. Das Elternhaus kann nicht alles leisten.

Wenn sich aber eine immer größer werdende Bruchlinie zwischen den staatlichen Kräften und Bildungsinstanzen auf der einen Seite und dem Elternhaus auf der anderen Seite auftut, bekommen die erzieherischen Beeinflussungen einen neuen Charakter.

Erziehung und Bildung gehen über die übliche Vermittlung einer kritischen Haltung und neuer Vorstellungen hinaus und bewegen sich immer stärker in Richtung auf eine Regulierung des Denkens und Handelns, auf Formierung des von den Herrschaftsmächten gewünschten und mit ihren Interessen übereinstimmenden Weltbildes. Der Übergang zur Manipulation und direkter Propaganda wird fließend. Die junge Generation wird in ein Prokrustes-Bett gelegt. Was dort nicht hineinpasst, wird einfach abgeschnitten.

Bei der Umsetzung staatlicher Vorgaben helfen nicht nur entsprechende Lehrpläne und Handlungsanweisungen und Karrierechancen, sondern auch die Medien, die ja von den Heranwachsenden regelmäßig genutzt werden. All überall auf den Erziehungs- und Bildungswegen sieht man neue Wegweiser blitzen.

Wie gesagt: Die Bruchlinie zwischen dem Staat und dem Elternhaus macht den Schritt zur Bevormundung und letztlich zu einer Gehirnwäsche und Charakterprägung notwendig, soll das staatliche Programm der schnellen und radikalen Erneuerung von Mensch und Gesellschaft umgesetzt werden.

Wir wissen auch, wo die Bruchlinie verläuft und wo die neuralgischen Punkte liegen: Die aufgezwungene islamische Massen-Invasion sowie die Abschaffung des gegenwärtigen Staates und die Herbeiführung eines EU- Zentralstaates bilden zweifelsfrei die wichtigsten Problemzonen. Hinzu kommen die Genderpolitik als Kampf gegen jede sexuelle Natur und für frühe Sexualisierung , die Politik der politischen Korrektheit als Sprach- und Denksteuerung, die Antifa-Politik der Denunziation des politischen Gegners, die verschiedenen Rettungspolitiken vom Wald bis zum Weltall als Industrie-Lobbyismus, die Moralisierung der Politik zur Vermeidung der Interessen-Frage. Es ist ein Kampfprogramm der staatlichen Regierung zur Einführung des Neuen Menschen in eine Neu-bunte-globale Gesellschaft.

Heute geht es bei uns um ein großes Programm der gesellschaftlichen Transformation. Und wir praktizieren die Denunziation in moderner angepasster Form. Derjenige, der die Transformation ablehnt, wird zum Nazi oder ersatzweise zum Rassisten oder zum Rechtspopulisten oder zum Rechtsextremen erklärt und mehr oder weniger dem sozialen Tod ausgeliefert. Einzel-Denunziation wird hinfällig, weil die staatlichen Stellen und viele Institutionen selbst die Denunziation betreiben und für Säuberung sorgen. Heldenpioniere gibt es gleichwohl: Die Antifa oder NGOs und verschiedene Stiftungen wie die Amadeu Antonio Stiftung werden für ihre Denunziation prämiert. Unzählige Auszeichnungen werden an die Nazi-Jäger der Andersdenkenden vergeben. Zu den Jagdfreunden zählen gerne Schauspieler, Musiker und viele andere Kunstschaffende.

Die positive Grundhaltung zu solcher Praxis wird schon im Kindergarten mit allen zur Verfügung stehenden Methoden eingeübt, zu denen auch die Praxis der frühen kindlichen Sexualisierung zählt. Für die Kita- Pädagogen gibt es, wie wir gesehen haben, mittlerweile Handreichungen, die sie zum richtigen Gebrauch  der politischen  Korrektheit  und zum Erkennen der Nazi-Eltern anleiten.

Überkommenes soll zum Unnatürlichen, das Neue zum Natürlichen erklärt werden. Natürliche Gegebenheiten werden zu sozial beliebig beeinflussbaren Konstruktionen. Die schöne Neue Welt!

Denunziation bricht aber den Menschen und macht ihn gesellschaftsunfähig.

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