Warum sollte der Nationalstaat zugunsten eines EU-Zentralstaates abgeschafft werden? Für den Bürger gibt es keinen Grund, seine demokratische Mitwirkung, seine soziale Sicherheit und seine Rechte in einem überschaubaren Staatsgebilde für ein utopisches Projekt aufzugeben. Der Nationalstaat gibt seinen Bürgern freie Entfaltungsmöglichkeiten in einem bisher sicheren Rahmen und hat bis heute für die wirtschaftlichen Grundlagen eines guten Lebens sorgen können. Souveräne Nationalstaaten können auch miteinander kooperieren, wenn es die Situation verlangt und es ihren Interessen dient. Für diese Kooperation müssen sie allerdings bei ihren Bürgern die Zustimmung einholen. Die demokratische Rückbindung bindet die politischen Elite bei ihrem Tun, den Willen des Volkes nicht zu übersehen. Cui bono? Es sind die politischen Eliten selbst, die sich einen EU-Zentralstaat herbeiwünschen. Diese Konstruktion würde den Brüsseler Technokraten und der politischen Elite einen ungeheuerlichen Machtzuwachs, eine Kontrolle über einen Milliarden- Haushalt und eine mehr oder weniger unkontrollierte Herrschaft über die vielfältigen Länder Europas geben. Der Bürger wäre entmachtet und ein Spielball der elitären EU-Manager. Allerdings ist diese Herrschaft der Wenigen nicht ungebunden und frei von Interessen. Es sind das globale Finanzkapital und die globalen Player der Medien, der Wirtschaft und des Handels, in deren Interesse es vor allem liegt, für den Warenverkehr große Räume und keine Grenzen zu haben, ein unerschöpfliches miteinander konkurrierendes Arbeitkräftepotential und eine unübersehbare Zahl an Konsumenten. Außerdem sind viele Kosten zu sparen, die beim Nationalstaat nicht zuletzt für seine sozialen, rechtlichen und demokratischen Strukturen anfallen und von den global Playern bisher mitfinanziert werden müssen. Wie schnell solche Groß-Utopien des Zentralismus und eines Vielvölker-Staates wegen ihrer geringen Produktivität und wegen einer korrupten Nomenklatura zerfallen können, haben wir bei der UDSSR und auch anderswo gesehen. Das Friedensargument für die Einrichtung eines EU-Zentralstaates sticht auch nicht, insofern es auch vor der Gründung der Nationalstaaten Kriege gegeben hat; in den Großreichen hießen dann solche Kämpfe Bürgerkriege. Die abnehmende Bedeutung Europas in der Weltpolitik dürfte wohl der wichtigste Friedensgarant in Europa gewesen sein und bleiben. Der Kampf um die Vorherrschaft eines Nationalstaates lohnt sich einfach nicht.

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