Die Kernfrage unserer politischen Gegenwart ist ähnlich gelagert wie im Falle des Nationalsozialismus: Welche Disposition gibt es bei den Deutschen, die es ermöglicht, dass ein einheitliches Kartell fast aller Parteien mit großer Zustimmung den diesmal grün-bunt linken Untergang Deutschlands vollziehen kann?

In Deutschland gibt es eine lange Tradition der Staatsvergottung. Man kann ihre Ursprünge in der Philosophie Hegels aufspüren. Wie auch immer: Es geht weniger um eine Beurteilung der Hegelschen Philosophie selbst als um deren Wirkungsgeschichte. Ferdinand Lassalle war es dann, der die Hegelsche Staatsüberhöhung auch den arbeitenden Klassen vermittelte und näher brachte. Die Bildung des Nationalstaates durch Bismarck und die Kaiser-Zeit bis 1914 brachte auch keine Abschwächung staatlicher Allmachtphantasien. Vom Volksstaat war besonders in der Sozialdemokratie viel die Rede. Mit den Ideen von 1914 stand der General Dr. von Staat (Thomas Mann) in seiner vollen Pracht dar. In der 12-jährigen Glanzzeit war der deutsche Staat auch nicht gerade minimiert worden und die Deutschen waren Hitler und seinem starken Staat durchaus ergeben. Wenn Mord als Staatsauftrag von denen betrieben werden kann, die eigentlich für Mord und Totschlag die Strafe ausstellen sollten, dann wird das Recht außer Kraft gesetzt und aus Staatsvergottung und Staatsüberhöhung Staatsverrat. Auch die DDR mit ihrem Staat der Arbeiter und Bauern war hinsichtlich des Staates und seiner Unterdrückung kein Freund von Traurigkeit. Einheitsparteien, Stasi ohne Ende, Militär und Hymne wurden etabliert und machten aus ihm eine halbwegs totalitäre Einrichtung. In der BRD waren dafür die alten und noch lebenden Nazis in hohen Staatsstellen tätig? Die Niederlage hatte wohl eine schlimmere Staatsvariante verhindert. Doch wurde der Staat immer mehr zu einem Parteienstaat, der ohne jede innerparteiliche Demokratie und ohne Bürgerdemokratie auskommt.

Wie sieht es nun mit der Demokratie aus, die dem Staat und seinen Bürgern Recht und Freiheit bringen soll. Ja, die Demokratie hat in deutschen Landen wenig Luft atmen können. 1848 ging daneben, und viele Bürger zogen sich aus der politischen Arena zurück. Dann kamen nach den Zeiten der Reaktion die freundlicheren Zeiten des Untertanen. Weimar war die erste Demokratie, die aber von Anfang an innerlich zerstritten war und Lebensschwierigkeiten hatte. Nach den Nazis wurde dann die West-Demokratie von oben und mit Re-edukation eingeführt und in der DDR eine kommunistische Schein-Demokratie. Sagen wir einmal, dass sich die BRD redlich um eine demokratische Herrschaftsordnung bemühte und nach dem natürlichen Nazi-Sterben in den Staatsdiensten durchaus Erfolge aufzuweisen hat. Doch-wir erwähnten es bereits- die Demokratie ist zu einer Parteien-Demokratie mutiert.

Allerdings fragt sich, ob die Staatsfixierung und die demokratischen Minus-Bestände nicht doch ein allzu mageres Rüstzeug sind: Haben wir demokratische Gepflogenheiten wirklich verinnerlicht. Wissen wir wie selbstverständlich, dass es Demokratie nur geben kann, wenn man Kompromisse schließen kann oder andere Meinungen zulässt? Wissen wir, dass es Gesetze gibt, die jeden, aber auch jeden und auch die Regierung binden? Kontrollieren wir den Staat im Hinblick auf seine eigenen Machtanmaßungen? Sind wir frei genug, uns selbst zu behaupten, und wissen wir, dass man sich für Demokratie einsetzen muss und sie nicht vom Himmel fällt? Bestimmen wir mit oder werden wir vorgeführt?

Auch der intellektuelle Aderlass Deutschlands gehört erwähnt, wenn man den Boden untersucht, auf dem die grün-links-bunte Welt so prächtig gedeiht: Waren die Universitäten zwischen 1890 und 1920 ebenso kreativ wie destruktiv, so neigt sich die Waage zum Ende der Weimarer Republik endgültig zum Negativen.1930 fanden sich bei den universitären Wahlen schon nationalsozialistische Mehrheiten. Braunhemden und Hakenkreuze. Die Taktik der SA wurde im universitären Raum bedenkenlos angewendet. Schnell und ohne einen wirksamen Widerstand war die Universität von den Nazis kontrolliert. Intoleranz, Vulgarität und Fanatismus eroberten das Terrain. Freiheit der Wissenschaft und Objektivität der Forschung waren Fremdworte. Die zumeist jüdische Emigration, die seit 1931 einsetzte, betraf bis 1938 circa 700 Ordinarien und 1200 Nicht-Ordinarien, von denen nur circa 10 % wieder zurückkehren sollte. Der Substanzverlust für die Wissenschaft in Deutschland war immens, zumal die Nachfolger nicht unbedingt zu den Spitzen ihrer Fächer zählten. Hinzu kam dann die systematische Verfolgung und Vernichtung der deutschen Juden, die uns allen bekannt ist. Eine ungeheuer sprudelnde Quelle des Denkens, des Wissens, der kritischen Vernunft und des Humanismus wurde grundlos und willkürlich versenkt. Deutschland schwächte sich so, dass es sich von diesem Aderlass nie mehr erholen wird. Bleibt darauf hinzuweisen, dass die 60/70 er Jahre der Studentenbewegung auch von politischer Indoktrination, Fanatismus und Intoleranz des linken Milieus geprägt waren. Die beim Ausbau der Universitäten anfallenden Personalstellen wurden allzu oft nach der politischen Gesinnung besetzt. Die Folgen dieser Stellenpolitik zeigen sich heute. In der Zwischenzeit wurden auch die Anforderungen für ein universitäres Studium gesenkt. Das Ziel dürfte darin liegen, das Niveau der Universität den Politikern unseres Landes anzugleichen. Für eine gewisse Funktionärskaste ist die Verdummung der Masse überlebensnotwendig.

Die in den letzten 60 Jahren aufgebauten Ressourcen stehen als Schatztruhe zur Verfügung und die Lebenssituation für die tonangebenden Schichten ist mehr als zufriedenstellend, ja luxuriös. Eine gute Konjunktur mit einem unbegrenzten Massenkonsum verstellt dazu noch den Blick auf die Realitäten in Haus, Hof, Arbeit und Welt und verleitet zur Wirklichkeitsferne. Es ist doch alles prima! Die Zukunft wird noch schöner werden! Wir schaffen alles! Yes, we can.

Trifft eine solche geistig-demokratische Minderausstattung und ein epochales Desaster kritischer Vernunft und Wissenschaft mit guten bis besten Zeiten zusammen, dann verliert man leicht die Einsicht in die bestimmenden Wirklichkeiten eines guten Lebens: Recht und Freiheit sowie Vernunft und Augenmaß sind dafür unerlässlich. Man vergisst, dass das Paradies auf Erden nie erreicht werden kann. Man vergisst, die Zyklen der Politik und Wirtschaft und auch die Ebben und Fluten des Lebens. Abgehobenheit und Realitätsverleugnung der Deutschen haben dazu geführt, dass sie einer neuen Führerin und ihrem Gesindel fast ohne ernsthaften Widerspruch die Möglichkeit gegeben haben, die Demokratie abzubauen, ein neues EU-Großreich anzustreben, das Land mit Wandel aller Art zum Ruin zu führen und ihm mit der Islam-Invasion den Todesstoß zu versetzen. Das alles auf dem Boden und in unbewältigter Weiterführung der eigenen Geschichte.

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