Durch die warme Sommerluft

sang und zirpte die Libelle;

doch die Zeit vergeht so schnelle:

Horch, wie schon der Herbstwind ruft!

Feld und Wald sind längst verblichen,

und die Tage sind verstrichen,

wo ihr jedes Blättchen bot

nach Gelüsten Dach und Brot.

Mit der Winterkälte dringen

Not und Hunger zu ihr her

die Libelle singt nicht mehr.

Und das ist kein Wunder-wer

kann mit leerem Magen singen?

Von Verzweiflung übermannt

kommt zur Ameis’ sie gerannt:

“Lass mich Liebste nicht im Stiche,

dulde, dass ich unterkrieche,

bis zum ersten warmen Strahl

biet’ mir Unterkunft und Mahl!”

“Und woher Gevatt’rin, weiß ich,

ob im Sommer du warst fleißig,

wie ‘s gebietet die Moral?”

“Dazu bin ich nicht gekommen,

da bei uns zur Sommerzeit

Liederklang und Fröhlichkeit

machen mir den Kopf benommen.

Ohne mich nur umzuseh’n

sang und spielte ich für alle.”

“So du sangst? In diesem Falle

magst du jetzt zum Tanze geh’n.”

Verstaatlichung und Wohlstand

Was wird die Libelle sagen, die den ganzen Sommer gesungen hat? Natürlich will sie ihr gutes Leben auch dann weiterführen, wenn sie nicht mehr singen kann und die Kirschen nicht mehr vom Himmel fallen. Sie fordert, die Ameisen zu verstaatlichen, damit diese auch in widrigen Umständen für die Nahrung für alle aufkommen! Der Staat soll bestimmen, was die produktiven Ameisen machen müssen, aber freiwillig nicht machen wollen.

In jedem Lande gibt es viele, die einen sicheren Lebensunterhalt bis ins hohe Alter beanspruchen, ohne dafür selbst einen Beitrag leisten zu wollen. Sie können noch dazu nicht so eindrucksvoll singen wie die Libelle. Gleichwohl fordern sie eine gute Lebensweise ein, die vom Staat ohne Gegenleistung garantiert werden soll. Woher kommt das Geld? Ja- Sie haben recht: Es kommt von den Ameisen, deren Leistungen vom Staat zwangsweise eingefordert und umverteilt werden.

Für Kranke, Alte, Behinderte, Kinder, Gestrauchelte sorgt die Ameise in der Regel gern, doch von den Gesunden und Menschen ohne Handicap erwartet sie einen eigenen Beitrag für ihren Lebensunterhalt.

Auch bei einem solchen Modell bleibt eine Situation der Knappheit. Der Unterhalt sichert allenfalls die Existenz, nicht ein arbeitsloses Leben auf Dauer.

Aber auch die Existenzsicherung kann in Gefahr geraten, wenn der Staat seine von den Ameisen erzwungenen Mittel überschätzt und das Land zu einem weltoffenen Paradies für alle Menschen dieser Welt umgestalten will. Für eine kurze Zeit wird dann das Paradies simuliert! Dann beginnt das Höllen-Leben.

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