Für die Organspende soll das bisher geltende Verfahren der Zustimmung von einem Verfahren abgelöst werden, das auf einen ausdrücklichen Widerspruch gegen die Organspende beruht. Der Organspender sowie die zur Totensorge ermächtigten Angehörigen können der Organentnahme widersprechen. Mit der Einführung des Widerspruch-Verfahrens wird die Tendenz der Regierung fortgesetzt, die Würde, Selbstbestimmung und Freiheit der Bürger einzuschränken und aufzuheben (zum Beispiel: Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit). Aus der bisher geltenden freiwilligen Zustimmung zur Organ-Entnahme wird eine halbe Zwang-Spende. Wenn auch die Schranke einer Widerspruchsmöglichkeit noch fällt, wird die Organspende staatlichen Mächten überantwortet und die Selbstbestimmung vollends zur Fremdbestimmung. Außerdem sichert die Regierung mit ihrem Wechsel von der Zustimmung auf den Widerspruch nicht die grundrechtlich verbürgte Freiheit der Selbstbestimmung vor dem Lobbyismus der Transplantationsmedizin, sondern verändert sie zum Nachteil der Bürger. Die Information, Beratung und Aufklärung aller Bürger über die offenen Fragen und negativen Seiten von Organentnahmen sollte intensiviert werden.

Mit dieser Änderung wird das im Grundgesetz verbürgte Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und Selbstbestimmung unzulässig eingeschränkt. Dieses Selbstbestimmungsrecht schließt die Verfügung über das eigene Leben bis über den Tod hinaus ein. Die Totensorge der Angehörigen muss dabei immer im Sinne des Verstorbenen erfolgen. Wenn ich aber zunächst meiner Selbstbestimmung beraubt werde, indem über die Erstverfügung meiner Organe fremdbestimmt beschlossen ist, wird mein Recht auf Selbstbestimmung eingeschränkt, wenn nicht ausgehebelt. Erst durch den aufgezwungenen Widerspruch gegen eine Organentnahme erlange ich meine Selbstbestimmung wieder. Das Recht auf Selbstbestimmung gilt jedoch als Grundrecht unmittelbar. Es schließt auch das in der Widerspruchslösung nicht geschützte Recht ein, sich nicht äußern zu müssen und deshalb auch keine Nachteile zu haben. Die Zustimmungslösung zur Organspende kommt hingegen mit den Anforderungen der Selbstbestimmung überein.

Es liegt im Interesse der umsatzstarken Transplantationsmedizin, dass möglichst viele Organe für eine Transplantation zur Verfügung stehen. Der Bedarf ist höher als die Anzahl der Spender. Man erwartet, dass die Widerspruchslösung auch deshalb zu mehr Spendern führt, weil viele Bürger zu Lebzeiten aus den unterschiedlichen Gründen (Nachlässigkeit, Bequemlichkeit, Unwissen etc.) keinen Widerspruch einlegen werden. Der Staat schützt den Bürger nicht vor den Zugriffen der Transplantationsmedizin, wie es seine Aufgabe wäre, sondern macht sich einseitig zu deren Sprecher. Ungeklärt ist auch die Frage, wie das mit der Spende erwirtschaftete Finanzvolumen Verwendung findet.

Es ist bekannt, dass es oft die Angehörigen sind, die das Totensorgerecht anwenden, wenn sie glauben, einer Organentnahme zustimmen zu müssen. Hier bleibt die Frage der Beeinflussung offen, doch möglich. Unbedingt notwendig ist es daher, die Bürger vorgängig umfassend über die Bedingungen, die Praxis und möglichen Folgen einer Organentnahme zu informieren und dabei besonders die Momente der Unsicherheit, Grausamkeit und des Nicht-Wissens im Sterbe-und Todesvorgang zu betonen. Informierte Zustimmung der möglichen Spender sollte auch bei der Organspende Standard sein. Dafür reicht die Demonstration eines glücklichen und dankbaren Patienten keineswegs aus.

Grundsätzlich gilt für die Organspende immer noch, dass das Kriterium des Hirntodes problematisch ist und keine weiteren Formen des Lebens und der Wahrnehmung ausschließt. Es ist prinzipiell nicht möglich, die Innenperspektive eines Individuums der Außenansicht zugänglich zumachen. Bis heute können wir nicht genau sagen, wann das Leben beendet ist und der Tod einsetzt. Eine Definition kann Wissen nicht ersetzen. Diese für den Spender und den Arzt entscheidende Grenzlinie bleibt ungewiss. Es ist ein minimaler Schritt vom ärztlichen Schädigungsverbot (nil nocere) zum Tötungsdelikt. In dieser Lage- so Hans Jonas- unaufhebbaren Nichtwissens und vernünftigen Zweifels besteht die einzige richtige Maxime für das Handeln darin, nach der Seite vermutlichen Lebens hinüberzulehnen.

Schreiben einer Krankenversicherung an ihre Mitglieder zur Organ-Spende :

Sehr geehrter Herr … ,


der Gesetzgeber möchte die Organ- und Gewebespende fördern, um mehr Menschen die Chance zu geben, ein lebensrettendes Organ erhalten zu können. Die Bevölkerung soll in die Lage versetzt werden, ihre Organspendebereitschaft nach reiflicher Beratung und Überlegung tatsächlich in einem Organspendeausweis zu dokumentieren. Vor diesem Hintergrund übersenden wir lhnen lnformationsmaterial sowie einen Organspendeausweis für alle Versicherten lhres Vertrages, die das 16. Lebensjahr vollendet haben.


Auf dem Organspendeausweis kann die Bereitschaft dokumentiert werden, nach ärztlicher Feststellung des Todes Organe und Gewebe zu spenden. Eine Beschränkung der Spendebereitschaft auf bestimmte Organe oder Gewebe kann ebenso dokumentiert werden wie der Widerspruch einer Entnahme von Organen oder Geweben.


Für den Fall, dass Sie bereits eine sogenannte Patientenverfügung getroffen haben oder eine solche planen, sollten in der Patientenverfügung und im Organspendeausweis keine widersprüchlichen Aussagen getroffen werden.


Weitere lnformationen zu dem Thema gibt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter der kostenfreien Telefonnummer (0800) 90 40 400. lm Internet sind Informationen unter www. Organspende-Info.de zu finden.

Mit freundlichen Grüßen